Rundbrief 80 - Februar 2024

Rundbrief 80 - Februar 2024

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Andy Fronius
Mai 04, 2024 • 6 min read
»Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du gehörst mir!« —Jesaja 43,1

Liebe Freunde und Gebetspartner,

ich wünsche Euch Gottes Segen für das Jahr 2024!

Es ist so tröstlich zu wissen, dass Du und ich zu Gott gehören. Egal, wie einsam und isoliert wir uns manchmal fühlen. Gott hat uns erlöst, indem er die Strafe für unsere Schuld auf sich genommen hat.

Ich bin Gott dankbar, dass wir auch in diesem Jahr unser Leben und unseren Alltag Gott anvertrauen dürfen. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, unser Leben ist in Gottes Hand. Auch das Leben unserer Hausbewohner mit allen Herausforderungen können wir täglich in Gottes Hand legen.

Während ich diesen Rundbrief schreibe, bin ich gerade in Rumänien im Frauenhaus. Live bekomme ich alles mit. Es ist etwas anderes hier dabei zu sein und mit den Hausbewohnern und Angestellten Freud und Leid zu teilen als nur davon zu hören oder zu lesen.

Heilung für unsere Angestellten

Cristina (unsere Sozialarbeiterin) hatte sich Ende Dezember durch einen Sturz die rechte Schulter mehrfach gebrochen. Eine Woche danach hat sich ihre Tochter den linken Daumen gebrochen.

Durch die Feiertage musste Cristina eine Woche auf ihre OP im Krankenhaus warten. Gott sei Dank, dass die OP an der Schulter mit einer Titan-Platte und neun Schrauben gelungen ist. Auch ihrer Tochter geht es wieder gut. Sie kann mit dem Gipsverband in die Schule gehen. Bitte betet für Cristina, ihre Tochter und die ganze Familie.

Elfriede besucht Angela

Angela (unsere Direktorin und Buchhalterin), die sich am 1. November 2023 ihr Bein gebrochen hat, wurde den ganzen Monat Februar noch krankgeschrieben. Da sie nur zu 50 Prozent wiederhergestellt ist, wird sie noch eine Zeitlang fehlen. Auch wenn der Heilungsprozess langsam ist, geht es ihr gut und sie ist auf dem Wege der Besserung. Danke, dass Ihr auch für Angela weiterhin um vollkommene Heilung betet.

Gelöste Atmosphäre

Gestern traf ich mich zu Kaffee und Kuchen mit den Frauen im Frauenhaus. Einige kamen nach der Arbeit noch dazu. Es war eine schöne und gute Atmosphäre.

Plötzlich fing Frau H. an, aus ihrer Vergangenheit zu erzählen. Sie hatte drei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen.

Das erste Mal war sie schwanger und hatte viele Tabletten geschluckt. Das Kind hat überlebt und ist gesund. Das zweite Mal hat sie sich die Pulsadern aufgeschnitten und wurde noch rechtzeitig gefunden. Beim dritten Mal versuchte sie sich mit Stacheldraht zu erwürgen.

Sie sagte: »Ich machte jedes Mal die Erfahrung, dass einfach die Hand Gottes da war. Er wollte, dass ich lebe.« Sie wurde oft und stark von ihrem Mann geschlagen. Einmal hat er sie nachts geschlagen und weil er müde wurde, gab er dem 12-jährigen Sohn eine Axt und sagte zu ihm er solle seine Mutter erschlagen. Der Junge weinte und sagte: »Nein, ich mache das nicht. Ich tue das meiner Mutter nicht an.« Er hat seine Mutter nicht geschlagen.

Die Misshandlungen durch den Mann waren so schlimm, dass sie auf dem linken Auge seit 12 Jahren erblindet ist, und mit dem rechten Auge kann sie durch den grauen Star nur noch 30 Prozent sehen. Zurzeit sind wir mit ihr in ärztlicher Behandlung, so dass sie bald eine OP bekommen kann. Die OP kostet ungefähr 1.800,00 €. Sie selbst hat kein Geld. Daher sind wir auf Spenden dafür angewiesen.

Außer den Müttern benötigen auch viele unserer Kinder dringend psychologische Behandlung, um das Trauma, das sie zu Hause erlebt haben, zu verarbeiten (auch sexueller Missbrauch). Die Kosten für ein Kind pro Sitzung belaufen sich auf ungefähr 70,00 €. Mir tun die Kinder, aber auch die Frauen leid, dass sie so schlimme Schicksalsschläge erleben mussten. Die meisten Frauen haben in ihrer Kindheit Schreckliches erlebt und jetzt mussten sie zusehen, wie ihre Kinder das Gleiche oder Ähnliches durchmachen mussten.

Alle Frauen sind froh, hier im Frauenhaus in Frieden leben zu können.

Emas Geschichte

Ema wuchs im Kinderheim in Rumänien auf, da ihre Eltern nicht die finanziellen Mittel hatten, sie großzuziehen. Mit 18 Jahren lernte sie einen rumänischen Mann kennen, der in England wohnte. Sie zog zu ihm und wurde schwanger. Der Vater des Kindes ist 17 Jahre älter als Ema. Die Beziehung zu ihm war problematisch.

Dank der Hilfe einer Missionarsfamilie kam Ema nach Holland und brachte dort ihr Kind zur Welt. Nach kurzer Zeit kehrte sie zum Vater des Kindes zurück, der inzwischen in Deutschland lebte.

Doch mit dem Kind hatte sich die Situation verschlimmert und es kam zu vielen Auseinandersetzungen. Ema wusste nicht, was sie tun sollte. Sie unterhielt sich online mit einer Freundin aus ihrer Kindheit. Diese Frau war zufällig als Hausbewohnerin im Frauenhaus Esther. Deshalb kontaktierte sie uns.

Wir empfahlen ihr, sich an die Polizei in Deutschland zu wenden. Der deutsche Polizist kontaktierte unsere Sozialarbeiterin Cristina. So konnte Ema Hilfe bekommen. Über ein deutsches Frauenhaus wurde die Fahrt nach Rumänien organisiert. Allerdings war es für sie schwierig, den Reiseplan umzusetzen. Sie hätte mehrmals umsteigen müssen. Deshalb wählte sie ein Transportunternehmen, das sie von einem bestimmten Ort abholte und an ihren Bestimmungsort brachte. Am Telefon wurde ihr mitgeteilt, dass sie einen bestimmten Geldbetrag bezahlen müsse. Allerdings änderte sich dieser Betrag, nachdem sie und das Kind bereits in Österreich unterwegs waren. Ema wurde bedroht. Wenn sie nicht noch einmal zahle, müsse sie aussteigen und würde auf der Straße zurückgelassen werden. Da Ema kein Geld mehr hatte, gab der Fahrer ihr sein Handy, damit sie jemanden anrufen konnte, der die Zahlung vornimmt.

Ema bat uns verzweifelt um Hilfe. Das Transportunternehmen rief uns alle 10 Minuten an und übte Druck aus. Wir haben die Zahlung für sie überwiesen. Ema kam sehr glücklich und dankbar im Frauenhaus Esther an. Sie hatte keine Geburtsurkunde für ihr Kind, deshalb konnte es nicht registriert werden.

Nach der Aufnahme haben wir gemeinsam die Schritte zur Beschaffung der erforderlichen Unterlagen festgelegt. Allerdings verließ uns Ema nach etwa sechs Wochen ungeduldig, um ein paar Bekannte zu treffen. Sie glaubte, dass diese ihr bei den Papieren helfen und sie willkommen heißen würden. Weniger als einen Monat später hat sie uns erneut kontaktiert, bat um Vergebung und darum, wieder im Frauenhaus aufgenommen zu werden. Wir haben Ema und ihren Sohn wieder im Frauenhaus aufgenommen.

Sie hat dieses Jahr eine Geburtsurkunde für ihr Kind bekommen. Mit dem Vater des Kindes hat sie sich wieder versöhnt und will zu ihm zurück.

Freiwillige Hilfe im Frauenhaus

»Mein Name ist Sheyenne, ich bin 24 Jahre alt und studiere zurzeit Psychologie. Im Januar hatte ich das Privileg im Haus Esther zu arbeiten. Meine Aufgabe bestand darin, Zeit mit den Kindern zu verbringen und die Mütter zu unterstützen. In dieser Zeit durfte ich viel von den Frauen lernen und auch tolle Gespräche führen. Besonders die Kinder haben mir für Vieles die Augen geöffnet. Ich empfand diese Zeit als eine sehr gesegnete und aufschlussreiche Zeit.«
Sheyenne Wölflik

Wir sind sehr froh und dankbar, sie im Haus gehabt zu haben, und dass sie mit ihren Gaben und ihrem Engagement unermüdlich für die Frauen und Kinder da war. Herzlichen Dank dafür.

Einladung zur Vollversammlung für unsere Mitglieder

Die nächste Vollversammlung findet am 5. März 2024 um 15.00 Uhr bei unserer Schatzmeisterin Ingrid Kolb, Hieronymusstr. 15 in 64720 Michelstadt statt. Bitte meldet Euch an unter der E-Mail: info@frauenhaus-esther.de

Es wird Berichte über das vergangene Geschäftsjahr, von der Schatzmeisterin und von den Kassenprüfern geben. Der Vorstand und ein Kassenprüfer bzw. eine Kassenprüferin werden neu gewählt.

❤️
WIR DANKEN FÜR
• Eure Unterstützung durch Gebete, Spenden und Daueraufträge,
• für Sheyennes Arbeitseinsatz,
• meine Bewahrung während meines Besuchs im Frauenhaus,
• den friedlichen Umgang der Hausbewohner untereinander,
• unsere ehrenamtlichen Aushilfen und Vertreterinnen unserer erkrankten Angestellten.
🙏
WIR BETEN FÜR
• die nötigen finanziellen Mittel für das zum Jahresanfang erhöhte monatliche Budget und die Löhne,
• Angelas und Cristinas Genesung,
• einen neuen Hausmeister (Ilie geht bald in Rente).

Danke für Eure Gebete und finanzielle Unterstützung, mit der wir auch in diesem neuen Jahr rechnen dürfen. Liebe Grüße vom rumänischen und vom deutschen Verein sowie von den Hausbewohnern des Frauenhauses, die täglich für Euch beten.

Herzlich,
Elfriede Fronius und Team